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Sonntag, 4. Januar 2015

Existentialistisches zum neuen Jahr

B.D., Freund der Jahresrückblicke, ist betrübt:

"Ausgerechnet jetzt, am 4. Jänner,
streikt mein Scanner.
Mit der flotten Blog-Zeichnerei
ist es für diesmal vorbei. -
Und wo bleibt dann meine persönliche Note?
Wo bleibt die rote
Markierung der Schlüsselstellen,
der textuellen?
Wo bleibt die krakelige Schrift,
die optisch genau trifft,
was ich mich laufend frage:
Wie prekär ist meine virtuelle Lage?
So ein Blog von Googles Gnade:
Wie gezählt sind seine Tage?
Und wer ist es, der da zählt:
Der Google selbst? Oder sein Geld?
Stimmt die Rendite?
Kann ich da noch mit?
Wer will in des Netzes Weiten
mich in ausreichender Zahl aufmerksamkeitsmässig begleiten?
Wer wird in fernen Tagen
noch suchmaschinenmässig nach mir fragen?
Und  überhaupt: Wer soll an meinem digitalen Wesen
genesen?
Man sieht: Im neuen Jahr
das Raisonnement dasselbe wie im alten war.

PS
Und was macht der Bibliothekar
mit dem vergangenen Jahr?
In der Literatur
Neu-Übersetzungen nur.
Modiano
machte auch nicht froh.
Mit Piketty
einiges an Ökonomie.
Und so viel Schreiberei
um einen Krieg, der lange vorbei!
Der Blick zurück
wieder einmal als einziger Kick."

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